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In Bagdad
gab mir Grund, leben zu bleiben; ich wollte mich an ihm rächen; ich muß dir aber leider sagen, daß all mein Forschen nach ihm vergeblich gewesen ist. Ich will dich nicht mit einer langen Erzählung ermüden, sondern zunächst erwähnen, daß Kepek in allen, selbst den ärmlichsten Verhältnissen treu zu mir gehalten hat. Alle unsere Mittel bestanden in dem wenigen Sold, den er sich gespart hatte. Wir bettelten uns nach Konstantinopel und noch weiter durch. Ein glücklicher Zufall führte eine Begegnung mit Midhat, dem einsichtsvollen, später ebenso berühmten wie verkannten Pascha herbei; er nahm mich in seinen Dienst, nachdem ich ihm alle meine Erlebnisse mitgeteilt hatte. Ich stand unter ihm in Bulgarien und ging dann mit ihm nach Bagdad. Als er nach zwei Jahren nach Stambul zurückgekehrt und dann Großvezier geworden war, wurde mir hier der Rang eines Bimbaschi verliehen und die Oberstelle der hiesigen Zollbeamten anvertraut. Wäre er nicht später in Ungnade gefallen, so hätte seine Gönnerschaft mich jedenfalls noch weit höher geführt; so aber blieb ich hier sitzen und blieb das, was ich war. Doch fühlte ich mich nicht unzufrieden, denn ich hatte, durch seine Güte beschützt, Ersparnisse gemacht, welche sich von Jahr zu Jahr vergrößerten und mir ein sorgenfreies Alter verhießen, und wurde durch die Pflichten meines Amtes so in Anspruch genommen, daß mir keine Zeit übrig blieb, über die Vergangenheit nachzugrübeln. Kepek hätte avancieren können, aber er begnügte sich mit seiner früheren Charge als Onbaschi und bestand darauf, mein Diener sein und bleiben zu dürfen, ein Wunsch, der ihm, wie du siehst, gewährt worden ist.«
Als der Erzähler jetzt eine Pause machte, reichte ich dem Dicken meine Hand hinüber und drückte ihm die seine herzlich. Er war ein kreuzbraver Mensch, und ich
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