|
|
|
| |
Auf dem Tigris
blieb er stehen und starrte halb zornig, halb traurig in das Wasser. Der gute Hadschi war eifersüchtig. Ich sagte kein Wort, denn ich kannte ihn. Und richtig: Er kam nach einer Weile langsamen Schrittes zurück, setzte sich mir gegenüber, seufzte tief und klagte:
»So, in dieser traurigen Weise bin ich von dir verlassen worden, von dir, für den ich mein Leben unbedenklich hingegeben hätte! Du hast der treusten Freundschaft mit dieser Frau den Todesstoß versetzt. Ich wollte sogar mit dir nach Persien reiten; nun aber kehre ich wieder um, unbedingt wieder um!«
Ich mußte lächeln und war doch tief gerührt.
»Lieber Halef,« sagte ich, »warst du mein Freund, als du damals deine Hanneh zum Weibe nahmst?«
»Ja,« antwortete er.
»Hast du mich darum verlassen?«
»Nein.«
»Du bist mein Freund geblieben?«
»Ja.«
»So ist es auch bei mir!«
»Nein; das ist jetzt ganz, ganz anders, Sihdi. Du kanntest Hanneh, den Abglanz aller Morgen- und Abendröten, die mein Weib geworden ist. Was aber weiß ich von der Regentin deiner Seligkeit? Habe ich sie gesehen? Hat sie ihre Herden an mir vorübergetrieben? Bin ich ihr Gast gewesen, um Kuskussu aus ihrer Hand zu essen? Hat sie mein Pferd getränkt oder mir den Steigbügel in den richtigen Stich geschnallt? Wo habe ich ihre Gestalt gesehen, ihren Schritt gehört oder das Kamel, auf dem sie saß, am Zügel führen dürfen? Ich bin so vollständig ahnungslos gewesen, daß mich jetzt ein solcher Schreck ergriffen hat, als ob sie nicht deine, sondern meine Frau geworden wäre!«
|
|
|
| |
|