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Auf dem Tigris
»Weil du ein Christ und nicht ein Moslem bist.«
»So brauche ich eigentlich gar nichts zu sagen, denn du hast dir die Antwort selbst gegeben. Du fragst den Christ, weil du meinst, daß nicht der Islam, sondern das Christentum die Wahrheit lehre. Damit hast du euern Muhammed verworfen und dich zu Isa Ben Marryam (*Jesus, Mariens Sohn) gewendet.«
»Hab ich das? Hab ich das wirklich, Sihdi?«
»Ja.«
»So sage mir: Hat die Christin eine Seele?«
»Nicht nur die Christin, sondern auch die Muhammedanerin, die Jüdin, die Heidin, jedes Weib hat eine Seele.«
»Also ich auch?«
»Ja, natürlich, ja!«
»Hamdulillah! Sprich weiter!«
»Unser heiliges Buch sagt: Gott schuf den Menschen zu seinem Ebenbilde, und er schuf sie, einen Mann und ein Weib. Gott ist allmächtig, allwissend, allweise; er ist auch gnädig, barmherzig und von ewiger Güte. Der Mann soll ein Bild der göttlichen Allmacht, das Weib ein Bild der göttlichen Güte und Liebe sein. Sind beide das, dann sind sie Mensch im wahren Sinne, sonst nicht! Kann ein Wesen, welches ein Ebenbild der göttlichen Liebe ist, ohne Seele sein?«
»Nein, denn grad die Liebe erfordert mehr Seele als alles andere auf der Erde.«
»Hat also das Weib eine Seele oder nicht?«
Sie blickte mir eine Zeit lang stumm in das Gesicht, dann sank sie langsam auf die Kniee nieder, schlug die Hände zusammen, holte lange, tief und laut Atem und sagte dann im innigsten Tone:
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